Brunst beim Rind – erkennen und beobachten

Brunst – Duldung des Aufsprunges (aus “Spezielle Nutztierhaltung” (Leopold Stocker Verlag)

Die Brunst beobachten und erkennen hat eine vorrangige Bedeutung im Fruchtbarkeitsmanagement.Dazu ein Auszug aus dem Stocker- Schulbuch
Spezielle Nutztierhaltung
von Raith, Raganitsch, Bauer, Haselberger und Priller.

Diese umfassende Werk – auch für den Praktiker – kann über die Bücherquelle bestellt werden.

Brunstanzeichen

Brunstschleim – ein sicheres Anzeichen der Brunst – aus “Spezielle Nutztierhaltung (Leopold Stocker Verlag)

Die Brünstigkeit äußert sich in einer Reihe von Zeichen und Verhaltensänderungen. Es gibt Symptome, die zuverlässig auf eine Brunst hinweisen, und solche, die lediglich anzeigen, dass sich das Tier anders verhält als die Herdengenossinnen. Um eindeutige Brunstzeichen ausmachen zu können, ist eine genaue Beobachtung notwendig. Anhand möglichst vieler Einzelsymptome lässt sich eine sichere Brunst feststellen.

Zuverlässige Brunstanzeichen sind

  • Aufspringen auf Herdengenossinnen
  • Duldung des Aufsprunges
  • Intensive Kontaktaufnahme zu den anderen Herdentieren (Anschmiegen, Ablecken, Kopfauflegen)
  • Schwellung der Scham
  • Rötung des Scheidenvorhofes und stärkere Feuchtigkeit der Scheidenschleimhaut
  • Abgang von klarem, Faden ziehendem Brunstschleim
  • Mit Schleim verklebte Sitzbeinhöcker und Schwanzunterseite
  • Abgescheuerter Schwanzansatz

Weniger zuverlässige Anzeichen

  • Erhöhte Unruhe (Hin- und hertreten, Angriffslust)
  • Brüllen oder Brummen
  • Unruhiger, suchender Blick
  • Spontanes Einbiegen der Lende
  • Verringerung der Futteraufnahme
  • Kurzfristiger Milchrückgang

Brunstkontrollen

Richtige und häufig durchgeführte Brunstkontrollen bedeuten „bares Geld“!

In vielen Betrieben werden die Tiere in der Regel nur zweimal täglich, meist gleichzeitig mit Fütterungs- und Melkarbeiten, beobachtet. Ein solches Brunstmanagement wird zu keinen hohen Brunsterkennungs- und Fruchtbarkeitsraten führen, was wie folgt begründet werden kann:

 

  • Die Tiere sind während der Brünstigkeit nicht dauernd aktiv, die Brunstaktivität ist nicht über den Taggleichmäßig verteilt. Fällt eine längere Ruhephase in die Beobachtungszeit, wird das Tier als stillbrünstigbezeichnet. Es ist bekannt, dass brünstige Tiere im Wesentlichen nachts aktiv sind.
  • Tiere mit deutlicher, aber verkürzter Brunst werden bei zweimaliger Beobachtung nicht erfasst und als stillbrünstig oder brunstlos bezeichnet.
  • Der richtige Besamungszeitpunkt lässt sich bei zweimaliger Beobachtung schwer feststellen, da meist der Beginn der Hauptbrunst nicht erfasst werden kann

VIER KONTROLLEN PRO TAG SIND DAS MINIMUN!
Erst bei viermaliger Kontrolle werden knapp 90% der brünstigen Tiere als deutlich in Brunst erkannt. Die Brunstkontrolle dient auch zur Erfassung jener Tiere, die ihrem Zyklus entsprechend Brunstanzeichen zeigen sollten, dies aber nicht tun. Deshalb muss eine mindestens viermalige Brunstkontrolle von jeweils 20 Minuten für jeden Landwirt zur Routine werden!
Die erste Brunstkontrolle frühmorgens und die letzte spätabends garantieren eine hohe Brunsterkennungsrate.
In der Praxis haben sich auch der späte Vormittag (ca. 10.00 –11.00 Uhr) und der frühe Nachmittag (ca. 13.30–14.30 Uhr) als ideale Beobachtungszeiten bestätigt.
Die besten Zeiten für Kontrollgänge sind allgemeine Ruhezeiten, in denen sich brünstige Tiere durch ihre stärkere Aktivität deutlicher bemerkbar machen.

Maßnahmen und Hilfsmittel zur Brunsterkennung

Brunst: Kontrolle mit Palm

  •  Gezielte und häufige Brunstkontrollen
  • Konsequente Führung eines Brunstkalenders.
    Der Brunstkalender ist dem Brunstzyklus (3-Wochen-Rhythmus) entsprechend aufgebaut. Anmerkungen über die Deutlichkeit der Brunst und die Dauer der Brunstphasen sollen eingetragen werden. Diese geben wichtige Hinweise für die Wahl des richtigen Besamungszeitpunktes. Besonders wichtig ist auch, dass der Zeitpunkt des Blutschleimens eingetragen wird.
  • Anwendung des „Rückengriffes“
  • Täglicher Auslauf von ein bis zwei Stunden bei Anbindehaltung
  • Eine computerunterstützte Herdenüberwachung und Verwendung eines Schrittzählers
  • Milch-Progesteron-Test (MPT) Der MPT kann zur Zykluskontrolle und Trächtigkeitskontrolle herangezogen werden, wenn an den Tagen 0, 7, 14 und 19 eine Milchprobe genommen und untersucht wird.
  • In Zweifelsfällen tierärztliche gynäkologischeUntersuchungen (Eierstöcke, Gebärmutter und Scheide).

Dauer der Brunst und Besamungszeitpunkt
Eine falsche Deutung der Brunstsymptome führt meist zu Fehleinschätzung des richtigen Besamungszeitpunktes und somit häufig zu Besamungen außerhalb der „echten“ Brunst.
Das zeitlich richtige Zusammentreffen von Eizelle und Spermien ist die Voraussetzung für eine Befruchtung, die im Eileiter stattfindet. Im Normalfall sind dazu folgende, individuell stark schwankende, Bedingungen vorgegeben:

  • Brunstdauer bei normaler Brunst 16 bis 24 Stunden,
  • bei jüngeren Tieren häufig kürzer
  • Eisprung (Follikelsprung) 24 bis 36 Stunden nach Brunstbeginn oder 8 bis 12 Stunden nach Ende der äußeren Brunstanzeichen
  • Befruchtungsfähigkeit der Eizelle 6 bis 12 Stunden
  • Die volle Befruchtungsfähigkeit der Spermien (Reifung der Spermien) wird in der Gebärmutter bzw. im Eileiter nach 6 Stunden erreicht, danach bleiben die Spermien 20 bis 24 Stunden befruchtungsfähig.
  • ie Wanderung der Spermien von der Gebärmutter in den Eileiter dauert wenige Minuten

Aus diesen Tatsachen ergibt sich, dass bei Besamungen gegen Ende der Hauptbrunst die besten Aussichten auf eine Trächtigkeit bestehen. Die Hauptbrunstphase ist gekennzeichnet durch die stehende Brunst. Sie beginnt zu dem Zeitpunkt, an welchem sich das Tier zum ersten Mal bespringen lässt und dabei stehenbleibt.Für die Festlegung des optimalen Besamungszeitpunktes ist es wichtig, den Beginn der Hauptbrunst
genau zu erkennen. (Häufig durchgeführte Brunstkontrolle!)
Der günstigste Besamungstermin liegt im letzten Drittel der Brunst, ca. 10 bis 24 Stunden nach Bestimmung der ersten deutlichen Brunstsymptome.
Ein aussagekräftiges Kriterium zur Bestimmung des Besamungszeitpunktes ist der Brunstschleim. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Brunstdauer individuell sehr unterschiedlich ist. Daher sollte die Dauer der Brunst auch im Brunstkalender vermerkt werden. Kühe mit kürzerer Brunstdauer müssen selbstverständlich früher besamt werden.
Morgen-Nachmittag-Regel“
In der Praxis gilt diese Regel bei Tieren mit normal langer Brunst:
Kühe, die bei der morgendlichen Brunstkontrolle deutliche Brunstsymptome zeigen, werden am Nachmittag des gleichen Tages besamt. Treten die Brunstanzeichen erst im Laufe des Tages auf, wird die Besamung am folgenden Morgen druchgeführt.

Das Blutschleimen (Abbluten) ist ein normaler Vorgang und zeigt an, dass zwei bis drei Tage vorher eine normale Brunst mit erfolgtem Follikelsprung gewesen ist.

Paarung

Künstliche Besamung

  • Ca. 85% des weiblichen Rinderbestandes werden künstlich besamt.
    Vorteile der Künstlichen Besamung:
  • Es stehen Stiere mit einem positiven Zuchtwert zur Verfügung.
  • Die Auswahl des Samenspenders kann aus einem größeren Angebot getroffen werden.
  • Die Besamung erfolgt im Besitzerstall, sodass der Tiertransport entfällt.

 

Natursprung

Brunst Rind: Der Natursprung erhöht bei Problemtieren die Trächtigkeitsrate.

Für die zusätzliche Haltung von Stieren für den Natursprung sprechen folgende Gründe:

  • Ein gewisser Mindestabsatz an Zuchtstieren ist nötig, um den Züchtern Anreiz zu bieten, die züchterisch wertvollen Stierkälber aus den gezielten Anpaarungen aufzuziehen. Eine weitere Einschränkung der Stieraufzucht würde die notwendige vielseitige Blutführung gefährden.
  • Weiters ist es vernünftiger, die Wartezeit der Teststiere bis zum Bekanntwerden ihres Zuchtwertes im Natursprung zu verbringen. Wartestationen verursachen hohe Kosten.
  • In manchen Fällen bietet der Natursprung Vorteile für die Fruchtbarkeit bei Problemkühen.

Spezielle Nutztierhaltung (Leopold Stocker Verlag)

Spezielle Nutztierhaltung – auch direkt bei der Bücherquelle zu bestellen!

 

 

 

 

 

 

 

Grundlagen der Nutzttierhaltung (Leopold Stocker Verlag)

Grundlagen der Nutztierhaltung bei der Bücherquelle bestellen..

 

 

 

 

 

 

 

Unser umfassendes Bücherangebot für den Rindehalter finden Sie bei der Bücherquelle