Jagd Wild und Wald Ein Jäger blickt zurück

Kein lebender Jagdschriftsteller hat mit so vielen Büchern Leser in seinen Bann gezogen wie der CIC-Preisträger Philipp Graf Meran. Auch in seinem 18. Buch schöpft Meran Neues aus dem unerschöpflichen Thema der Jagd: In meisterhaften Schilderungen über Jagd, Wild und Waldm, verbunden mit fast schon ins Philosophische gehenden Betrachtungen über den Menschen und seine Umwelt, berichtet der Autor von seinen Erlebnissen mit Wild und Wald. Er verbindet diese mit zeitgeschichtlichen Betrachtungen und Skizzen seiner ungarischen Heimat. Ein Jäger blickt zurück…. Kurz reingelesen in Wild und Wald – Ewiges Glück
Streiflichter von der Rehbrunft in Horn, anno 2010 Im Wildbret starker Bock

Wild und Wald, Erlebnisse von Graf Meran

…. Schon waren hier 34 Minuten vergangen, als ich zufällig nach links auf die Feldkante sah. Und ich traute meinen Augen nicht. Von dort kam ein im Wildbret starker Bock, um vor uns auf etwa 90 Schritte gegen den Wald zu wechseln. Wie immer richtete ich mich schon rechtzeitig, ohne das Kommando vom Pirschführer – diesmal Oberförster Hafenscher – abzuwarten. Das war gut, denn der alte starke Bock wurde immer schneller. Als das Kommando zum Schießen kam, blattete ich kurz, der Bock verhoffte breit und fiel auf den guten Blattschuss im Feuer. Es war ein kurzer, stark geperlter und dicker ungerader Sechser, etwas abnorm, mit sehr starken Rosen. Wir waren fast 40 Minuten hier gesessen, und plötzlich kam der Bock – anscheinend – nachzuschauen. Dieser Bock scheint, Hafenscher nach, derselbe Bock gewesen zu sein, den wir am Anfang in den Mais wechseln sahen. Ich hatte mit diesem Erlebnis eine große Freude…. Erstmals Sauen in Horn …. Auf der Heimfahrt haben wir ein Erlebnis, das man nicht alle Tage hat. Auf einem Stoppelfeld vor einem Sonnenblumenfeld sieht der Oberförster plötzlich auf seiner Seite etwas Schwarzes. Es sind Sauen. Drei Bachen und etwa 15 Frischlinge. Es ist so finster, dass ich im Fernrohr nur die dunklen großen Bachen zu sehen bekomme. Hafenscher mit seinen jüngeren …

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Jagd – ein Spiegel der Gesellschaft?

Jagd und Jäger geraten immer mehr ins Schussfeld einer kritischen Öffentlichkeit, die ihre Berechtigung prinzipiell in Frage stellt. Tatsächlich gibt es kritikwürdige Aspekte, etwa den herrschenden Trophäenkult und die Ausübung der Jagd als Statussymbol. Doch sind Jäger wirklich nur „Bambi-Mörder“? Welche Gründe gibt es für die Jagd? Und ist es denkbar, dass in unseren Breiten in Zukunft auf die Jagd gänzlich verzichtet wird?

Aus dem Stocker-Buch “Aufbrechen – Die Jagd als Spiegel der Gesellschaft”. Ein Werk für Jäger und Jagdkritiker, für Tierschützer und Naturnutzer, welches das Für und Wider der Jagd abzuwägen versucht:

Vom kleinen Kalb und vom toten Reh

Ob Wildtier oder Nutztier – der Konsument sieht nur das “Schnitzel auf dem Teller” ohne Bezug zur Kreatur (Foto aus AFBRECHEN – Die Jagd als Spiegel der Gesellschaft; erschienen im Leopold-Stocker-Verlag)

Der Tod passt uns nicht in den Kram! Wir möchten auf ihn nicht angesprochen werden. Seine „Unsichtbarkeit“ charakterisiert unseren Zugang zu ihm.
Doch er findet Wege, durch einen im Verborgenen liegenden Geheimgang, eine Hintertür, in das Leben der Menschen – in unser eigenes Leben – zurückzukehren. Dem Fortschritts- und Machbarkeitswahn der Naturwissenschaften erlegen, sehen wir ihn vielleicht zum ersten Mal, wenn er uns als Horrorszenario eines Krepierens und Dahinsiechens auf Intensiv- und Pflegestationen, in esinfektionsmittelgeschwängerter Luft, entgegenblickt.

Wie sieht es jedoch mit dem Tod von Tieren aus?
- inklusive jenen geknechteten Kreaturen,  welche industriell, unter der Prämisse ausschließlicher Gewinnmaximierung erzeugt werden!

Reagieren wir hier in gleicher Weise?Und auf der Jagd?

Blendet der Jäger den Tod des Tieres aus? Was sagt die Öffentlichkeit dazu, wenn er  einen Hirsch erschießt, um etwas Schönes für sein Foyer zu ergattern?

An dieser Stelle erscheint es angebracht, auf den Begriff des „Schlachthausparadox“ hinzuweisen. Dazu eine kurze Erklärung:
Der Begriff des „Schlachthausparadox“ beschreibt, dass wir ein auf einer satten, grünen Wiese weidendes Kalbchen mit starken, sehr positiven Gefühlen wahrnehmen. Vielleicht verweilen wir dort auf unserer Wanderung ein wenig, um das niedliche Tier zu beobachten?  Vielleicht zeigen wir es auch unseren Kindern, die es mit einem Büschel Gras liebevoll füttern? – Vielleicht?
Nach unserer wunderschönen Wanderung zieht es uns ins nahegelegene Wirtshaus und bereits beim Eintritt in die Gaststube werden wir durch anregende Dufte vom Arbeitsplatz des Küchenmeisters überwältigt. Ein unaufschiebbares Gefühl der Gaumenfreude bestärkt uns dabei, nach der Speisekarte zu fragen. Akribisch blättern wir von vorne nach hinten, auch nochmals zurück und fallen eine Entscheidung: Heute gibt es Schnitzel. – vom Kalb!

Vielleicht das Kalb von nebenan, nunmehr in Form eines anonymisierten Stückes Fleisch. Ein Stück Fleisch samt fein garnierter Zutaten, welches wiederum ein Hochgefühl in uns entstehen lässt. – Ein Gefühl, welches in keiner Weise mit Mitleid oder mit einer Kritik am Tod des wenige Monate jungen Tieres in Verbindung gesetzt wird.

Doch was liegt dazwischen?
Was liegt zwischen der satten Weide im Alpenidyll und dem saftigen Kalbsschnitzel im Gasthof?
Dazwischen liegt das Schlachthaus, welches wir auszublenden pflegen. Auf diese Weise träumen wir auch weiterhin von einer Welt, in der es dem Tod schier unmöglich erscheint, auch in Bezug auf andere Lebewesen – unabhängig davon, wie sie zeit ihres Lebens behandelt wurden – eine „Falltür“ in unser Leben zu finden.
Es ist jedoch nicht nur der Fleischer allein – auch, in unserem Fall relevant, der Jäger; selbst der Förster gilt als jener, der Schaden verursacht und einen schlechten – zumindest verbesserungswürdigen – Ruf zu verteidigen hat.

Und die Jagd un der Jäger?

Und der Jäger? – Wie sehen die befragten Jugendlichen die Sache mit der Jagd?
Im „Jugendreport Natur 1997“ werden Jäger von 40% der Befragten als Tiermörder betrachtet. 58 Prozent sehen die Jagd als für den Wald schädlich an.
In der Studie aus dem Jahr 2010 geht hervor, dass es 67% ablehnen, Rehe und Wildscheine zu bejagen. Nur 16 % sehen dies als eher nützlich.
Es heißt weiter: „Die Nutzungsperspektive wird aus der Freizeit- und vielleicht auch Öko-Perspektive der Jugendlichen nicht nur ausgeblendet, sondern mehrheitlich diskriminiert. Das Bild der Natur bleibt auf diese Weise heil, auch wenn seine Bestandteile nicht mehr inhaltlich zusammenpassen.“
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Tod kein geeigneter Begleiter im Leben  „zivilisierter Zeitgenossen“ darstellt, weder der Tod von Menschen, noch der Tod von Tieren.

Konsequenz für den Menschen
In der Sozialwissenschaft bezeichnet man das Verfrachten alter Menschen in Pflegeanstalten und Altersheime als den „sozialen Tod“, einen bereits endgültigen Zustand, der den Betroffenen bereits vom „eigentlichen Leben“ abgeschnürt hat, ein Zustand, der nur noch auf das Endgültige, das Unausweichliche warten – vielleicht auch hoffen – lässt.

Doch zurück zum Thema…

Es ist darauf hinzuweisen, dass die angeführten Uberlegungen betreffend des Schlachthausparadoxons unter einer Perspektive der „Nützlichkeit“ dargestellt wurden. Der „Nützlichkeit“, die mit der Tötung des Kalbes einhergeht, um die Versorgung dieser Gaststätte mit Fleisch zu rechtfertigen. Wir sprachen von der Fällung eines Baumes, welcher einer weiteren Verarbeitung unterzogen werden soll, um ihn in einen Dachstuhl, eine Diele, einen Schrank oder auch Tisch zu verwandeln.

Jagd und Nützlichkeit
Die Frage, die sich damit verbindet, ist die Überlegung, ob die Jagd von heute diese Nützlichkeit überhaupt anbieten kann, sie noch anbieten möchte!? – Vielen Jägern geht es zumindest ist um das Geweih.  Ist dieses Ansinnen nützlich? Ein Mann, der mit diesem Motiv in der Gruppe der Jäger nicht eine klägliche Ausnahme ist, sondern in seinem Begehren nach der Trophäe der Mehrzahl aller Jäger entspricht.

Ja, dieses Geweih kann nützlich – wirtschaftlich nützlich – sein, wenn die Jäger ein Jagdgatter respektive eine umfriedete Eigenjagd betreiben, ein Jagdgebiet verpachten, oder auch Einzelabschusse von Trophäenträgern – ursachliche Gepflogenheiten der heutigen Jagd – zu verkaufen im Begriff sind.
Vielleicht gelingt es ihnen auch, das eine oder andere Stück Wildbret an den Mann und an die Frau zu bringen, was nicht unüblich ist.
Der wirtschaftliche Ertrag und der Fokus jagdwirtschaftlicher Betrachtungen bezieht sich jedoch in der heutigen Zeit fast ausschließlich auf die Jagdtrophäe, welche man zum Teil anhand von Formeln und Tabellen vermisst, um sie danach verrechnen zu können! –
Der „Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC)“ ist im Besitz eines solchen Zahlenwerkes.

Jagd der Trophäe willen?

Jagd nur der Trophäe wegen ist ethisch kaum zu vertreten. (Foto aus AUFBRECHEN – Die Jagd als Spiegel der Gesellschaft; erschienen im Leopold-Stocker-Verlag)

Johannes Dieberger meint im Buch „Jagd und Gesellschaft – Der internationale Sankt Hubertusorden“:
„Abwegig wird die Jagd dann, wenn sie nur um der Trophäen willen betrieben wird und wenn Geweihe, Gehörne und Bärte gemessen und bewertet werden. Wozu dienen seitenlange Beschreibungen der weltbesten Spitzengeweihe, wie wir sie oft in der Jagdpresse finden können?
Die Jagd könnte heute, wenn sie nur aus sportlichen Interessen durchgeführt wird, kaum mehr Verständnis finden. Das Töten von freilebenden Wildtieren, lediglich aus Vergnügen, wäre mit den derzeitigen mitteleuropäischen ethischen Vorstellungen nicht mehr vereinbar.“
(Andrieu, G., Der Internationale Sankt Hubertusorden, 2008)

Jagd – die Trophäenqualitat muss fortschrittlich bleiben??
Viele Jäger dürfen  sich auch darüber freuen, die Natur im Sonnenaufgang gespürt zu haben und geschickt genug gewesen zu sein, den Hirsch zu erlegen. Er kann stolz darauf sein, dass er – wenn ihn schon die Leidenschaft der Jagd und kein anderes Hobby neben seinem „Brotberuf“ gepackt hat – das Tier, auch ohne kontinuierliches Schießtraining, mit einem einzigen Schuss tödlich getroffen hat. Er darf auch aufatmend lächeln, keinen „roten Punkt“ erhalten zu haben, obwohl dies unanständig war! – In Gesprächen mit Jägern gewinnt man jedoch den Eindruck, dass dieser Sachverhalt das eine oder andere Mal – vielleicht sogar noch öfter –, auch in Form „falscher Kiefervorlagen“, Gang und Gäbe sein dürfte, was den Wert von Pflichttrophäenschauen im Allgemeinen und die „einem heiligen Ritual“ gleichende Arbeit von Bewertungskommissionen in das Lächerliche und das Absurde führt!

Lieben Jäger jedoch wirklich, was sie töten?
Lieben sie einen Hirsch – welcher erlegt wird – gleich den beschriebenen Möpsen, die
zu einer Geburtstagsfeier geladen sind? Oder verspüren Jäger in Bezug auf das Erlegen
dieselbe Gleichgültigkeit wie viele Menschen der Mehrheitsgesellschaft, wenn es um das
Betreiben von „Tierfabriken“ geht?
Unserem Jäger ist  zumindest der Tod des Hirsches sehr nahe gegangen. – Es geht ihm bis zum heutigen Tage sehr nahe, wenn er ein Wildtier erlegt, darum findet er auch das jagdliche Ritual des „letzten Bissens“ – welches als Entschuldigungsritual, aber auch als eine Verniedlichung und Entschärfung des Todes betrachtet werden kann – besonders würdevoll.
Unser Jäger liebt Tiere, die er auf der Jagd verfolgt, jedoch nicht! Nein, er respektiert sie, will ordentlich jagdlich handwerken, keine Fehler machen, sich aus der Natur etwas aneignen.
Er will der Natur jedoch auch etwas zurückgeben und hat vor, sie durch seine jagdliche
Tätigkeit nicht zu überfordern!
Eine gute Einstellung, würde man meinen, die sich von Abschusspakete buchenden Jagdtouristen und jenen „Superjägern“ unterscheidet, welche fünf Mal pro Jahr in einem Jagdrevier auftauchen, um im Eilverfahren nur das Eine zu wollen: Einen möglichst kapitalen Trophäenträger zur Strecke zu bringen, respektive „den Finger krumm zu machen“, um ein prestigeträchtiges Wildtier zu töten!
Menschen, welche vorgaukeln, an der Natur so besonderes Interesse zu haben und zum Teil in schäbigen Jagdclubs ihre jagdlichen Glanzleistungen präsentieren. Leider allzu weit verbreitete jagdliche Auswüchse, an dem die echte, die wirklich „edle Jagd“ von verantwortungsbewussten, bodenständigen Menschen irgendwann mitkrepieren konnte! – Es darf von der Öffentlichkeit nicht erwartet werden, dass sie im Zweifelsfall in ihrer Beurteilung zwischen guten Jägern und trophäengeilen Naturfremdlingen einen allzu großen Unterschied machen wird!

Aufbrechen – Die Jagd als Spiegel der Gesellschaft von Gert Andrieu und Helmuth Wölfel, erschienen im Leopold-Stocker-Verlag.

 

 

Aufbrechen … Die Jagd als Spiegel der Gesellschaft zu bedstellen bei der Bücherquelle!

 

 

Ziegen – welche ist die richtige für meinen Betrieb?

Ziegenhaltung heute

Ziegen – Link zum Zuchtverband (aufs Bild klicken)

Die „eierlegende Wollmilchsau“, also das rundum perfekte Nutztier, gibt es auch bei den Ziegenrassen nicht. Allerdings kann gerade durch richtige Rasseauswahl dem tierzüchterischen und wirtschaftlichen Ideal schon relativ nahegekommen werden. Mit einer Rassenziege  aus einem anerkannten Zuchtbetrieb kauft man kaum jemals die Überraschungskatze im Sack. 

Keine Mischmaschziegen

Diese zeigen oftmals eine hohe Risikoanfälligkeit für Inzuchtdepression mit allen dazugehörigen negativen Begleiterscheinungen, da für diese Tiere keine Aufzeichnungen über ihre Herkunft vorliegen. In der ziegenhalterischen Praxis wurde das dann oft so gehandhabt, dass der Gemeindebock zwar lustig buntscheckig und mit einem imposanten Hornschmuck versehen war, aber in den örtlichen Ziegenherden genetisch schon als Vater, Großvater und Urgroßvater in ein und derselben Person eifrig unterwegs war. Dass die Nachkommen in der Folge weder leistungsmässig noch gesundheitlich wirklich befriedigend sind, darf logischerweise nicht verwundern.

Einige Ziegenrassen

Österreichische Saanenziegen / Weiße Edelziegen
Weiße Deutsche Edelziege

Weiße Deutsche Edelziege (aus Ziegenhaltung heute – Stocker-Praxisbuch)

Die Schulterhöhe bei Böcken liegt bei 80–95 cm, bei Ziegen zwischen 74–85 cm. Das Gewicht der männlichen Tiere beträgt rund 75–100 kg, das der weiblichen Tiere an die 50–80 kg. In den Schweizer Originalzuchtgebieten erbrachten Saanenziegen 1994 in durchschnittlich 273 Melktagen 870 kg Milch mit 3,1 % Fett und 2,6 % Eiweiß und in Österreich in 240 Tagen 719 kg mit 3,2 % Fett und 2,92 % Eiweiß. Dies ist umso erstaunlicher, als diese beachtlichen Mengen vorwiegend bei wirtschaftseigenem Raufutter mit relativ geringen Kraftfutterzugaben erzielt wurden.

Weiße Deutsche Edelziege (WDE)

In Größe, Gewicht und Milchleistung gibt es kaum Unterschiede zur Saanenrasse. Sie ist etwas rumpfiger und kräftiger als die Saanenziege und bei ihr ist eine leicht rötlichgelbe Färbung an Hals und Rücken erlaubt. Die Böcke tragen an diesen Stellen bisweilen etwas längere Haare, was durchaus noch als rassetypisch bezeichnet werden kann.

Gemsfarbige Gebirgsziegen und verwandte Schläge
Cremefarbige Gebirgsziegen

Cremefarbige Gebirgsziegen (Stocker Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTe)

Die Widerristhöhe bei Böcken beträgt 75–80 cm und deren Gewicht liegt bei 70–100 kg. Die Geißen messen 70–80 cm und bringen an die 40–80 kg auf die Waage. An durchschnittlicher Milchleistung wurden 1994 bei den Graubündnern in 249 Melktagen 600 kg mit 3,4 % Fett und bei den Brienzern in 269 Tagen 721 kg mit annähernd gleichen Anteilen an Fett (3,5 %) und Eiweiß (2,8 %) ermolken. In Österreich werden in 240 Standardkontrolltagen laut ÖBSZ 653 kg Milch, mit 3,37 % Fett und 3,06 % Eiweiß erzielt.

Gefährdete Ziegenrassen

Tauernschecken
Tauernschecken (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Tauernschecken (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Zu den in ihrem Bestand hochgefährdeten Ziegenrassen zählt in Österreich die Tauernscheckenziege, welche im salzburgischen Gaisbachtal in Rauris in den 1960-iger-Jahren mit den letzten Exemplaren kurz vor dem Aussterben stand. Heute umfasst die eingeschworene Familie der Tauernscheckenzüchter über 210 Mitglieder mit 1.081 Herdebuchtieren. Es sind dies sehr hübsche schwarz-weißbraun gescheckte, ausnahmslos gehörnte Gebirgsziegen. Sie wurden zur Schwendung vonViehweiden überwuchernden Gehölzen, aber auch zur Milchversorgung seit jeher mit Schafen und Rindern auf die Alm getrieben. Die typische Dreifärbung hatte praktische Gründe, da die dunkle Fellzeichnung den Hirten bei Schneefall oder im Gletscherbereich verlorengegangene Tiere leichter auffinden half. Wenn sich aber im Herbst zum Abtrieb die Almmatten braunrot verfärbten, bedeutete die weiße Scheckzeichnungebenfalls eine vortreffliche Sichtbarmachung der Tiere. Dass nur ein Teil der geborenen Kitze, die nicht zu hell, aber auch nicht zu dunkel ausfallen dürfen, um anerkannt zu werden, zur weiteren Zuchtverwendung tauglich sind, muss angehenden Tauernscheckenhaltern bewusst sein.

Steirische Scheckenziege

Eine ebenfalls sehr interessante scheckige Ziegenversion ist die Steirische Scheckenziege mit derzeit 286 Exemplaren, welche erst vor rund 25 Jahren „wiederentdeckt“ und ab dann planmäßig rückgezüchtet wurde. Erst als sich einige ernsthafte Züchter und die Zuchtleitung des rasseverantwortlichen „Steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes“ dieser noch nicht ganz konsolidierten Rasse als verantwortliche Züchtervereinigung annahm, gab es sichtbare Zuchtfortschritte. Die Farbvariationen und die Abzeichen werden bei der „Steirischen Scheckenziege“ lange nicht so eingeschränkt streng bewertet wie bei den Tauernschecken. So kommen verschiedenfarbig zwei- oder dreifach gescheckte Tiere mit oder ohne weißen Bauchgurt vor. Exterieurmäßig ist hier sicherlich züchterisch noch einiges zu verbessern, aber wie man im oststeirischen Greinbach bei Hartberg als Hauptbewertungsort dieser vor allem in der Ost- und Weststeiermark gezüchteten Rasse jedes Jahr besser sieht, gibt es enorme Zuchtfortschritte um die äußere Erscheinung noch weiter zu vereinheitlichen. Als eine der wenigen hochgefährdeten Ziegenrassen in Österreich wird sie mit oder ohne Hörner gezüchtet. Wer also als Selbstversorger eine alte Ziegenrasse erhalten, aber der Hornstichgefahr aus dem Weg gehen möchte, ist mit der hornlosen Variante der „Steirerschecken“ und ihrer teils beachtlichen Milchleistung sicherlich sehr gut beraten.

Pinzgauer Ziege

Die Pinzgauer Ziege ist eine genetisch gehörnte, züchterisch wenig behandelte Gebirgsziegenrasse,  welche nicht nur äußerlich den Schweizer und deutschen Schlägen mit kastanienbrauner Grundfarbe und schwarzen Abzeichen an Kopf, Bauch, Rücken und Beinen sehr ähnelt. Es kann bei ihr ein etwas scheues und sehr temperamentvolles bis kämpferisches Wesen beobachtet werden. Pinzgauer Ziegen aus ihrer Stammheimat Salzburg werden mit einem Gesamtbestand von unter 1.000 Herdebuchtieren als „hochgefährdet“ im ÖPUL Generhaltungsprogramm angesehen und zählen neben den Tauernschecken und nun auch den „Steirerschecken“ zu den nachweislich „urösterreichischsten“ Ziegenrassen.

Wer alte, heimische Ziegenrassen sozusagen als „lebendiges Inventar“ vor wunderschönen,  mühsam wiederaufgebauten Bauernhäusern bewundern will, dem sei ein Besuch im „Österreichischen Freilichtmuseum“ in Stübing bei Graz wärmstens empfohlen.

Toggenburger Ziegen

Auch Toggenburger Ziegen werden bei uns gehalten, allerdings war einer weiteren Bestandszunahme dieser Ostschweizer Rasse deren langhaarige Behosung im Bereich der Euterregion – aus Hygienegründen beim Melkvorgang – immer etwas hinderlich. Mit schokoladebrauner Grundfarbe, weißer Stiefelung und den auffälligen hellen Streifen vom Maul bis über die Augenregion ist sie wohl eine unserer hübschesten Milchziegenrassen, sieht man von der stellenweisen Langhaarigkeit ab. In Deutschland wurde sie von der ehemaligen  „Deutsch Toggenburger“ 1935 in „Thüringer Waldziege“ umbenannt und ihr praktischerweise die Kurzhaarigkeit angezüchtet. Dass sie in der Bundesrepublik leider zu den gefährdeten Rassen zählt, hat sich diese leistungsbereite Ziege mit der manchmal etwas blechern klingenden Stimme eigentlich nicht verdient, zumal sie – ebenfalls kurzhaarig – als „British Toggenburger“ in England und Nordamerika wahre Haltertriumphe feiert. Die durchschnittliche Milchleistung in Österreich beträgt ca. 545 kg mit 3,49 % Fett und 2,94 % Eiweiß und im schweizer Herkunftsland um die 700 kg.

Burenziege
Burenziegen (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Burenziegen (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Die südafrikanische Burenziege aus Namibia und den östlichen Kapprovinzen ist die wichtigste Vertreterin der Fleischziegenrassen im deutschsprachigen Raum. Da ihre Milchleistung eher gering ist und meist nur zur Aufzucht der Kitze reicht, wird diese asaisonale Ziege primär zur Kitzfleischproduktion und Landschaftspflege gehalten. Es sind stämmige weiße Tiere mit rotbraunem Kopf und Blesse, Hängeohren, starkem Fundament und besonders gutem Fleischansatz an Rücken, Brust, Keulen und Schultern. Beide Geschlechter waren bislang meist gehörnt, wobei bei den Böcken die Ausformung zu mächtigen „Hornschnecken“ beachtenswert ist, was allerdings bei zu engem Kopfhautanschluss zu wunden Stellen führen kann. Die Weibchen hingegen besitzen nur relativ kurze und nicht ganz so eng am Kopf anliegende Hörner. Die Tendenz geht aber auch hier aus Sicherheitsgründen immer mehr Richtung Hornlosigkeit, welche durch die seinerzeitige, deutsche Verdrängungskreuzung mit hornlosen Milchmutterziegen in dieser Rasse durchaus angelegt erscheint und teils wieder heraus selektiert werden muss. Das typische, langgezogene „Hochfrequenzmeckern“, das oftmals einem lauten Schafblöken nahekommt, ist allerdings teilweise etwas gewöhnungsbedürftig.  Dafür sind Burenziegen von ruhigem, fast kaltblutähnlichem Wesen, was im Gegensatz zu oft ziemlich temperamentvollen Gebirgs- und Milchziegenrassen haltungstechnisch überaus angenehm sein kann. Gewicht: 65–120 kg, Widerristhöhe: 60–95 cm. Böcke dieser Rasse werden mit Milchziegenmüttern oft zu Gebrauchskreuzungen von Milchmastkitzen verwendet. Vorbedingung sind allerdings nur beste Tiere beider Ausgangsrassen unddie Konsequenz, dass die daraus resultierende Nachzucht generell der Schlachtung zugeführt wird. Das Fleischbildungsvermögen des Vaters verbindet sich dann mit der höheren Milchleistung und Großrahmigkeit der Muttertiere zu besonders frohwüchsigen, gesunden und wirtschaftlichen Schlachtkitzen.

Westafrikanische Zwergziegen

Freche und „meckerfreudige“ Westafrikanische Zwergziegen gelangten schon im 17. Jahrhundert  als lebendiger Proviant der Seefahrer zu uns nach Europa und gehören heutzutage zur Grundeinrichtung jedes Streichelzoos. Speziell bei bäuerlichen Direktvermarktungsbetrieben erfreuen sich diese lustigen, dickbäuchigen Ziegenzwerge mit einer Widerristhöhe von 40–50 cm und einem Gewicht von 20– 30 kg immer größerer Beliebtheit. Aber auch Ziegenhalter mit wenig Grund und einem steilhangigen oder pflegebedürftigen Wiesengarten vor dem Haus sowie Hochstammobstbäumen schätzen diese clownhaften kleinen Tiere mit ihrem riesengroßen Selbstbewusstsein. Der wirtschaftliche Nutzen von überzähligen, relativ fleischbetonten und wüchsigen Zwergziegenkitzen besteht in der Bereitstellung von köstlichen Osterkitzbraten für Selbstversorgerfamilien. Grundsätzlich sind reinrassige Zwergziegen immer gehörnt, aber speziell bei ihrem Einsatz im Streichelzoo oder in der tiergestützten Pädagogik sollten die Tiere schon im Kitzalter fachgerecht enthornt werden, da Kinder oftmals nicht so rasch reagieren wie Erwachsene.

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