Christbaum – der richtige Schnittzeitpunkt

SSL10590Im Volksglauben ist tief verwurzelt, dass Christbäume nach den Mondphasen zu scheiden sind. Das wären der dritte Tag nach dem 11. Vollmond des Jahres bzw. auch drei Tage vor dem 12. Vollmond. Ing. Gottfried Fließer, Christbaumproduzent und Stocker-Autor, hat schon vor 20 Jahren begonnen die Richtigkeit dieser Aussagen zu überprüfen. Gottfried Fließer berichtet:

Wir beginnen Mitte November die ersten Bäume zu fällen, um die geforderten Liefertermine der Wiederverkäufer einhalten zu können. Unser Ziel ist es jedoch die Bäume erst dann zu schneiden, wenn wir sie benötigen.Wir haben die Möglichkeit, und diese sollten wir uns nicht entgehen lassen, frische, nach Harz duftende Bäume auf den Markt zu bringen. Der Baum kann nämlich nur so lange duften, solange die Duftstoffe (die ätherischen Öle) sich nicht verflüchtigt haben.

Schnittzeitpunkt nach Mondphasen?

Immer wieder ist zu hören und im Volksglauben auch sehr tief verankert, dass sich der richtige Zeitpunkt für das Schneiden der Bäume nach den Mondphasen zu richten hat. Vor 20 Jahren haben wir begonnen intensive Versuche im Zusammenhang mit dem Schnittzeitpunkt und den Mondphasen zu machen und sind dabei zu interessanten Ergebnissen gekommen. Eine erste Auswertung unserer intensiven Versuche in Verbindung mit dem Schnittzeitpunkt (es wurde ab Mitte Oktober wöchentlich bzw. zu den vorgegebenen Mondtagen die gleiche Anzahl von Zweigen geschnitten und unter denselben Bedingungen gelagert) hat kein differenziertes Ergebnis erbracht. Inzwischen gibt es jedoch auch wissenschaftliche Arbeiten aus Deutschland und Dänemark, die besagen, dass die Mondphase nicht mit der Nadelhaltbarkeit der Bäume im Zusammenhang steht.

Christbaum – Mond hat keinen Einfluss auf die Nadelhaltbarkeit

Wichtig ist der fachgerechte TransportNach dieser Auswertung haben bei Neumond geschnittene Bäume ihre Nadeln nicht besser oder schlechter gehalten als Bäume, die bei Vollmond geschnitten wurden. Die Bäume haben jedoch in der Zeit um den Vollmond ein höheres Gewicht als in der Zeit um den Neumond. Bedingt ist dies durch den verstärkten Saftstrom, durch das höhere Angebot an Licht und den damit verbundenen höheren Wassergehalt der Pflanze, sofern starke Fröste dies nicht verhindern. Somit kann man annehmen, dass ein Baum, der einige Tage vor bzw. nach dem Vollmond geerntet wurde, bedingt durch den höheren Wassergehalt, länger frisch bleibt als ein Baum, der zur Zeit des Neumondes geerntet wurde.

Faktoren für ein gutes Nadelhaltevermögen

 Im Allgemeinen dürfen solche Regeln aber nicht überbewertet werden, da mit Sicherheit noch viele Faktoren, wie Lagerung, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Wind, Baumart, Witterungsverlauf im Sommer und Herbst, Feuchtigkeit des Bodens, Schädlingsbefall etc., ausschlaggebend dafür sind, dass der Christbaum möglichst lange seine Nadeln behält oder eben nicht.
Zu den wichtigsten Faktoren im Zusammenhang mit dem „Nadelhaltevermögen“ zählt, dass die Nadeln wesentlich besser halten, wenn die Bäume vor dem Schneiden Frösten von einigen Minusgraden ausgesetzt waren. Dieser Umstand bedeutet, dass die Bäume sicher in der Winterruhe sind, und damit auch mit ihrem Wasserhaushalt heruntergefahren sind. Im Zusammenhang mit dem Nadelhaltevermögen ist außerdem die Verwendung eines Christbaumständers, der gewährleistet, dass der Baum in einem Wasserbett stehen kann. Hier haben wir ein bis zu 30 % besseres Nadelhaltevermögen erreicht bei zusätzlich besserem und frischerem Aussehen. Im Vergleich dazu liegen die Werte des besseren Nadelhaltevermögens bei Bäumen, die in der angeblich „richtigen Mondphase“ geschnitten werden, bei lediglich 2–3 %. Wichtig für das Nadelhaltevermögen sowie die Frische der Nadeln ist die Luftfeuchtigkeit im Wohnraum, in dem der Baum steht. Werte über 50 % Luftfeuchtigkeit im Raum haben wesentlich bessere Ergebnisse gebracht als trockene Räume, vor allem wenn die Luftfeuchtigkeit unter 40 % betrug. Auch die Auswahl der Tannenart wirkt sich auf das Haltevermögen aus. Tannenarten, wie Nordmannstanne, Edeltanne, Korktanne oder Türkische Tanne, weisen, ganz im Gegensatz zu heimischen Baumarten, wie etwa Weißtanne oder besonders der Rotfichte, ein wesentlich besseres Nadelhaltevermögen auf. Diese Arten sind imstande, zwischen dem Holz und der Nadel eine Korkschicht aufzubauen, wodurch die Nadel nahezu ewig am Baum haften bleibt. Wenn diese Tannen also durch widrige Umstände nicht sehr bald nach dem Schneiden die Nadeln verlieren, werden sie auch sehr lange halten. Daraus resultieren auch Aussagen, dass der Baum am 23. Dezember geschnitten wurde, am 24. Dezember in den Wohnraum gekommen ist, und am 25. Dezember seine Nadeln verloren hat. Der Baum hatte durch die kurze Zeit zwischen dem Schneiden und dem Aufstellen im warmen Raum nicht die Gelegenheit, diese Verbindung zwischen Nadel und Holz aufzubauen. Zusammenfassend sei gesagt, dass die Haltbarkeit der Nadeln enorm zunimmt, wenn die Temperaturen in der Nacht unter 0 °C fallen. Nicht die Mondphase, sondern der Frost und damit die Winterruhe sind neben der Baumart in erster Linie ausschlaggebend dafür, ob die Nadeln halten oder nicht. Sehr wichtig sind dabei auch die Art der Lagerung bis zum Fest, sowie die Bedingungen, die der Baum schließlich im Wohnzimmer vorfindet.

 

UMSCHLAG_Christbaumkulturen_NEU.inddMehr zum Thema finden Sie im Stocker-Praxisbuch Christbaumkulturen