Erfolgreiche Rinderhaltung – Bestandsbetreuung

Erfolgreiche Rinderhaltung durch Bestandsbetreuung

Die Tiergesundheit ist ein zentraler Punkt im komplexen Thema Rinderhaltung. Eine periodische durchgeführte tierärztliche Betreuung der Herde verhindert, dass Probleme, deren Lösungen meist sehr kostenintensiv ausfallen, erst gar nicht auftreten.
„Erkrankungen werden schon in der subklinischen Phase erkannt und es kann rasch reagiert werden. Das ist schonender für das Tier und, nicht zu vergessen, für die Brieftasche des Landwirts“ nennt Dr. Walter Peinhopf die wesentlichen Gründe für seine Arbeit in der Bestandsbetreuung.

Die Bestandsbetreuung in Rinderbetrieben ist für jede Betriebsgröße konzipiert. Ein Tag mit Tierarzt Dr. Walter Peinhopf zeigt, was dabei alles zu erledigen ist. 

Praktische Arbeit im Vordergrund

Bestandsbetreuung

Dr. Walter Peinhopf – Pionier der Bestandsbetreuung

Dr. Walter Peinhopf ist einer der österreichischen Pioniere in der Bestandsbetreuung und betreut Betriebe alle Typen von Betrieben, von Milchviehbetriebe mit bis zu 80 Kühen, Mutterkuhhalter und auch zahlreiche Betriebe, die im Nebenerwerb bewirtschaftet werden.
„Ich setze mein Modell der routinemäßigen Bestandsbetreuung schon seit Jahren sehr erfolgreich quer durch die unterschiedlichen Betriebsfacetten ein. Durch regelmäßige Fortbildungen im In- und Ausland halte ich mein Knowhow stets aktuell. Die Erkenntnisse daraus fließen in die Tagesarbeit ein. Ganz wesentlich ist, dass ich Lösungsansätze, die ich auf Betrieben sehe, auch an die Landwirte weitergebe.“

Regelmäßige Bestandsbetreuung

Die Rückenfettdicke gibt Aufschluss über den Ernährungszustand des Tieres.

Wenn zwischenzeitlich keine akuten Krankheitsfälle auftreten, besucht Walter Peinhopf die Betriebe  in periodischen Abständen. Heute steht Nebenerwerbslandwirt Gerhard Leitner auf dem Besuchsplan. Sowohl Tierarzt als auch der Landwirt bereiten sich auf diesen Besuch vor. Gerhard Leitner: „Schon vor der Visite erstelle ich die Liste der Tiere, die zu untersuchen bzw. zu behandeln sind, notiere mir meine Fragen und fixiere die Rinder am Fressgitter.“
„Heute glänzen sie aber wieder!“: Dr. Peinhopf betritt den Stall und macht sich gleich ein Gesamtbild vom Zustand der Herde und misst mittels Ultraschall die Rückenfettdicke bei allen Kühen, um deren Ernährungszustand zu überprüfen. „Es ist mir besonders wichtig, dies bei allen Tieren durchzuführen, um neben dem jeweiligen Einzeltier auch einen guten Überblick über die gesamte Herde zu erhalten.“ Ausführlich wird bei jeder Kuh das aktuelle Ergebnis erläutert, Abweichungen und Tendenzen aus den vorherigen Messungen besprochen.

Rückenfettdicke und Ultraschalluntersuchung

Das Vorliegen einer Trächtigkeit am Ultraschallbild

„Diese Untersuchung braucht nur wenige Minuten, aber sie liefert wichtige und aufschlussreiche Informationen bezüglich Kondition und Ernährungszustand des Tieres. So nebenbei „checke“ ich dabei auch die Pansenfüllung, Konsistenz des Kotes und die Klauengesundheit.“: erläutert Dr. Peinhopf.
Weiter geht es mit der rektalen Ultraschalluntersuchung der Kühe und Kalbinnen. „Die Tiere untersuche ich auf Trächtigkeit. Außerdem überprüfe ich die Eierstöcke auf ihre Aktivität und auf Abweichungen, z.B. Eierstockzysten. Rinder, die erst kürzlich gekalbt haben, überprüfe ich, ob sie „sauber“ sind, d.h. ich kontrolliere, ob Nachgeburtsreste oder Eiter in der Gebärmutter sind. “ Eine vorliegende Trächtigkeit kann ab dem 26. Tag nach der Belegung festgestellt werden. Der Fortbestand der Trächtigkeit wird ab dem 60. Tag kontrolliert, um unbemerkte Frühaborte auszuschließen. Dabei wird das Geschlecht des Embryos bestimmt und das Vorliegen von Mehrlingen erkannt.

Stimmt der Stoffwechsel?

Der Stoffwechsel wird mittels Bluttest – Keton-Wert (BHB) – überprüft.

Um den Stoffwechsel zu überprüfen, wird mittels Bluttest der Keton-Wert (BHB) bei Kühen bis drei Wochen nach der Abkalbung bestimmt. Aber auch Tiere, bei denen die Rückenfettdicke im Vergleich zur letzten Messung um 5 mm oder mehr abgenommen hat, werden auf Acetonomie überprüft. Die Untersuchungen beschränken sich allerdings nicht nur auf den Kuhbestand. Auf dem Weg zu den Kälbern wird das Jungvieh auf Fütterung, Kondition und Besamungsreife kontrolliert und mit Betriebsleiter Gerhard Leitner diskutiert. Dr. Peinhopf: „Die Kälber schaue ich mir in erster Linie auf Durchfall- und Nabelerkrankungen an. Bei den weiblichen Tieren überprüfe ich die Euterreinheit.  Die Kälber werden bei Bedarf enthornt bzw. dafür vorbereitet, dazu gehören Betäubung und lokale Schmerzausschaltung.“

Im Anschluss daran erfolgen die Therapien, die je nach Befund erforderlich sind. Am Futtertisch nimmt Walter Peinhopf eine Futterprobe in die Hand und riecht daran, um die Futterqualität zu prüfen.

Nachbesprechung

„Ein zentraler Bestandteil der routinemäßigen Bestandsbetreuung ist die „Diskussion am Küchentisch“. Gemeinsam vergleichen wir den aktuellen Ist-Stand mit vorangegangenen Befunden. So können die „Entwicklungsschritte“ des Einzeltieres und der Herde analysiert werden. Ein wichtiges Instrument dafür ist die gemeinsame Interpretation der Daten, die dem Landwirt ohnedies zur Verfügung stehen, z.B. LKV-Daten oder Daten zum Gesundheitsmonitoring. Sehr aussagekräftig ist die Analyse des LKV-Jahresberichtes.
Ganz besonders möchte ich darauf hinweisen, dass Einzelkontrollen aufgrund des geringen Datenvolumens bei den üblichen Herdengrößen (bis ca. 60 Kühe) statistisch kaum Rückschlüsse auf die konkrete Herdenrealität zulassen. Der LKV-Jahresbericht ist da aber schon sehr aussagekräftig, z.B. über die Daten zu den Inhaltsstoffe bei bestimmtem Leistungsniveau der Herde.“

Buchtipp:
Die gesunde Herde – erfolgreiche Rinderhaltung durch Bestandsbetreuung

Peinhopf, Die gesunde Herde

Stocker-Praxis: Die gedsunde Herde – Bestandsbetreuung

Die moderne Milchviehhaltung ist geprägt von größeren Betrieben, höheren Tierzahlen, modernen Haltungsformen und ständiger Weiterentwicklung, wie das Ende der Kontingentierung zeigt  – diese neuen Rahmenbedingungen erfordern von den Landwirten, zugleich Herdenmanager zu sein.
Ob Fruchtbarkeitsprobleme, hohe Zellzahlen in der Milch oder Stoffwechselstörungen, reine Symptombehandlung ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Vom ganzheitlichen Standpunkt aus betrachtet sind es viele Rädchen, an denen man drehen muss, um die Gesundheit der Tiere zu erhalten und gleichzeitig oder gerade dadurch wirtschaftliche Milchproduktion zu ermöglichen.
Der Autor Walter Peinhopf, selbst Tierarzt, geht in seinem Buch auf unterschiedliche Themenbereiche, wie Tierwohl, Tierschutz, Herdsmanship, Fütterung, Klauen- und Eutergesundheit, Stallklima, Haltung etc., ein und erklärt die Zusammenhänge. Es geht schließlich darum, die „Krankheit hinter der Krankheit“ zu erkennen und die Behandlung kranker Tiere durch Vorbeugung und Beratung abzulösen. Ein wichtiger Aspekt ist deshalb die Zusammenarbeit des Landwirts mit dem Tierarzt, dem Klauenpfleger, dem Fütterungsberater oder dem Stallplaner. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen, wie es gehen kann.
Mit diesem Buch hat jeder Landwirt das Rüstzeug, um strukturiert und mit Systematik und Regelmäßigkeit an die neuen Herausforderungen heranzugehen.

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