Pferd Pferdehaltung Sicherheit

ALLES FÜR PFERDEHALTER, erschienen im Leopold Stocker Verlag
Die Pferdehaltung ist längst zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Für die einen gehört das eigene  Pferd zu einem erfüllten Leben ganz einfach dazu, für die anderen bildet es samt Zucht überhaupt die Lebensgrundlage. Und wie sich in den vergangenen Jahrzehnten der Einsatz der Pferde vom landwirtschaftlichen Nutztier hin zum Freizeitpartner und Reittier gewandelt hat, haben sich auch die Ansprüche an die Pferdehaltung verändert und weiterentwickelt. Deren aktuellen Stand vermittelt dieses Buch.

Der Autor:
Dr. Peter Zechner beschäftigt sich seit 1985 intensiv mit Pferden. Er ist Referent für Pferdezucht und -haltung der Landwirtschaftskammer für Oberösterreich und Geschäftsführer des Landesverbandes der Pferdezüchter Oberösterreichs.

Einige Tipps vom Autor zu Pferdhaltung und Sicherheit

Frühzeitig ans Halfter gewöhnen

Frühzeitig ans Halfter gewöhnen…

Ein zeitgemäßer, tierfreundlicher und professioneller Umgang mit dem Pferd ist entscheidend um Unfällen für Mensch und Pferd vorzubeugen. In der praktischen Pferdehaltung liegen da oft systematische Fehler vor. Grundlagen der Pferdehaltung und die Ansprüche des Pferdes werden oft nicht ausreichend beachtet und wichtige Details übersehen.

Pferdehaltung und Sicherheit
Die Sicherheit ist ein Bereich, dem große Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Immer wieder passieren schwere Unfälle im Umgang mit Pferden. Drei Bereiche sind dabei zu beachten:

  • Pferd ein Lebewesen,
  • Richtiger Umgang des Menschen mit dem Pferd
  • Richtige Ausrüstung.

Das Pferd als Lebewesen

Man muss Pferde kennen, um ihre Reaktionen abschätzen zu können.

Das Pferd ist ein Fluchtier.

Bei Gefahr ergreift das Pferd die Flucht und es kann auch zu Panikreaktionen neigen. Alles Ungewohnte kann Angst beim Pferd auslösen. Plakativ können Lärm, eine ungewohnte Umgebung bzw. verschiedene neue Situationen als Furchtauslöser genannt werden. Da die Sinneswahrnehmung des Pferdes anders ausgeprägt ist als die des Menschen, kann es passieren, dass der Mensch „die Gefahr“ gar nicht wahrnimmt und daher auch nicht mit einer Flucht- oder Panikreaktion rechnet. Pferde sehen sowohl auf große Entfernungen als auch auf kurze Distanzen sehr gut, im mittleren Bereich dagegen unscharf. Das Bewegungssehen ist besonders gut ausgeprägt, so dass Bewegungen in diesem unscharfen Sichtbereich heftige Fluchtreaktionen auslösen können.

Eine entsprechende Erziehung und Gewöhnung an seine Umwelt kann das Pferd zu einem verlässlichen Partner machen, der Aspekt „Fluchttier“ darf aber nicht vergessen werden.

Das Pferd ist ein Herdentier.

Pferde leben sozial in Gruppen, dieser Umstand gibt den Pferden Sicherheit. Das bedeutet für den Menschen Folgendes:

Nur richtig, das heißt in Gruppen aufgezogene Pferde entwickeln ihre Persönlichkeit vollständig und werden ausgeglichene Pferde. Andererseits müssen in Gruppen lebende Pferde allerdings lernen, zeitweilig von den anderen Pferden getrennt zu werden, z. B. um geritten zu werden. Pferde in Gruppen können sich auch gegenseitig in ihrem Verhalten „anstecken“ und z. B. in der Abteilung unter dem Reiter durchgehen. Vorsicht ist auch geboten, wenn man an einer Pferdegruppe, die sich auf der Weide befindet, vorbei reitet. Flüchtet diese Gruppe panikartig, kann es sein, dass sich das Reitpferd der Gruppe anschließen will und ebenfalls panisch davonläuft. Grundsätzlich ist zu fremden Pferdegruppen ein entsprechender Abstand beim Vorbereiten einzuhalten.

Das Pferd ist ein Lauftier.
Pferde legen in natürlicher Umgebung ~ 20 km am Tag zurück. Werden Pferde mit zu wenig Bewegungsmöglichkeit gehalten, wie es häufig der Fall ist, sind sie nicht ausgeglichen und neigen zu unerwarteten Reaktionen. Pferde artgerecht, also in Gruppen mit möglichst viel Bewegung, zu halten, ist daher auch absolut im Sinne seines Reiters. Er wird mehr Freude mit seinem Pferd haben.

Richtiger Umgang mit dem Pferd
Eine fundierte Ausbildung des Menschen ist die beste Unfallvermeidung. Nur mit Fachwissen kann man sich selbst in seinen Fähigkeiten einschätzen.
Wenn man sich einem Pferd nähert, ist es auf alle Fälle anzusprechen und die Reaktion darauf zu beobachten. Drohgebärden, wie zurückgelegte Ohren, müssen unbedingt beachtet werden. Überrascht man ein Pferd, kann es mit gefährlichen Folgen für den Menschen erschrecken und z. B. ausschlagen.
Grundsätzlich sollte man sich keinen fremden Pferden nähern, ohne vorher die Besitzer gefragt zu haben.
Bewegt man sich in einer ganzen Pferdegruppe, ist es notwendig, die Hierarchie innerhalb der Gruppe zu kennen. Andernfalls kann es passieren, dass man bei einem untergeordneten Pferd steht, das von anderen vertrieben oder geschlagen wird. Dabei besteht die Gefahr, dass man durch Ausweichbewegungen des Pferdes zu Sturz kommt oder verletzt wird. Bei der Gruppenhaltung ist es deshalb notwendig, dass sich der Mensch selbstverständlich und ruhig, mit einer natürlichen Autorität ausgestattet, in der Pferdegruppe bewegt.

Die sicherste Führposition ist links seitlich vom Pferd. Pferde dürfen nicht nur am Halfter und ohne Strick geführt werden, da dabei die Verletzungsgefahr im Falle eines Erschreckens des Tieres sehr hoch ist. Wichtig ist auch, dass man sich niemals Ausrüstungsgegenstände, wie z. B. den Führstrick, um die Hand oder andere Körperteile wickelt. Das kann zu sehr schweren und leider sogar zu tödlichen Verletzungen führen.
Beim Umgang mit Pferden ist generell auf genügend freien Raum zu achten – sowohl in der Nähe von Menschen als auch von Dingen. Gefährliche und bewegliche Gegenstände dürfen nicht im Bewegungsradius der Pferde stehen. Fallen sie um, kann sich das Pferd erschrecken.

Das Loslassen eines Pferdes auf eine Koppel oder in die Halle zum Freilaufen ist ein weiteres Gefahrenmoment. Steht der Führer in der üblichen Führposition, seitlich vom Pferd, besteht die Gefahr, dass das Pferd beim Loslassen übermütig ausschlägt und dabei den Menschen trifft. Deshalb ist es empfehlenswert, die Pferde immer zuerst mit dem Kopf zum Führenden zu drehen und erst dann loszulassen.

Richtige Ausrüstung
Im Umgang mit Pferden ist festes, am besten zumindest knöchelhohes Schuhwerk auf jeden Fall anzuraten. Handschuhe sind vor allem beim Führen und Longieren von großem Vorteil. Erschrickt ein Pferd und reißt am Strick, wird einem dieser womöglich durch die Hand gezogen. Dabei erwärmt er sich stark, was zu Verbrennungen und offenen Verletzungen an der Hand führen kann.
Beim Reiten ist funktionelle, handelsübliche Reitkleidung die beste Wahl. Besonderes Augenmerk ist auf sicherheitsrelevante Bereiche zu legen. Darunter fällt der Reithelm, der den gängigen Sicherheitsnormen entsprechen muss, und passende Fußbekleidung, die neben der Funktionalität ein Durchrutschen und damit Hängenbleiben im Steigbügel im Falle eines Sturzes verhindern muss. Dazu darf die Schuhsohle kein oder nur sehr wenig Profil aufweisen und muss einen deutlichen Absatz haben. Am Sattel müssen die Sturzfedern, an denen die Steigbügelriemen befestigt sind, regelmäßig auf ihre Funktion überprüft werden. Im Fachhandel erhältliche Sicherheitssteigbügel sind ebenfalls zu empfehlen. Bei Ausritten ins Gelände ist das Tragen von Sicherheitsjacken bzw. Rückenprotektoren anzuraten, um die Wirbelsäule bei einem Sturz zu schützen

Für das Pferd ist nur eine exakt passende Ausrüstung zum Reiten zu verwenden. Das betrifft in erster Linie das Gebiss, das Zaumzeug und den Sattel. Generell sind Markenprodukte guter Qualität billiger Ware vorzuziehen. Eine gute Pflege und Wartung vorausgesetzt, ist bei Qualitätsprodukten eine lange und sichere Nutzungsdauer möglich. Einen guten Sattel ein Pferdeleben lang zu verwenden, sollte so kein Problem darstellen. Billigprodukte zeigen gerade bei Sätteln häufig Mängel im Bereich der Lederqualität, dem Einbau minderwertiger Sattelbäume, der Verarbeitung und der Ergonomie.

Neugierig auf mehr zur Pferdehaltung in ALLLES FÜR PFERDEHALTER?

Buch Alles für Pferdehalte bestellen

Mehr zum Thema Pferdehaltung, Pferdeausbildung, Pferd als Freizeitpartner usw. ist auf www.pferdplus.com zu finden, dem österreichischem Pferdeportal!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.