Einfach Schmieden – Schmieden und Härten eines Meißels

Schmieden und Härten eines Meißels

Herstellung eines Flachmeißels – aus dem Stocker-Werkbuch „Einfach Schmieden“ von Karl Gissing

(aus Einfach Schmieden von Karl Gissing)
Als Beispiel  für die Herstellung von einfachen Handwerkzeugen wird die Herstellung eines Meißels beschrieben. Rohmaterial ist eine Rechteckstange mit Überlänge. Da der Meißel auch gehärtet werden muss, ist ein Kohlenstoffgehalt von mindestens 0,5 % erforderlich.

 

Schmieden: Strecken und Breiten

Das Strecken und Breiten geschieht am Amboss.(aus dem Stocker-Werkbuch „Einfach Schmieden“ von Karl Gissing)

Der Rechteckstahl wird einseitig konisch ausgeschmiedet und in die Form eines Flachmeißels gebracht. Die Schmiedearbeiten „Strecken“ und „Breiten“ sind anzuwenden.
Sobald die Form eines Meißels erreicht ist, wird die Schneidenform grob angeschliffen.
Ein Feinschliff der Schneide ist in diesem Zustand noch nicht erforderlich, da zum Härten
nochmals auf Rotglut erwärmt wird und dabei die Schneide verzundert. Ebenso werden kleine Ungenauigkeiten weggeschliffen und scharfe Kanten entfernt.

Schmieden: Härten

Der Meissel wird ins Wassbad getaucht, wobei ein kleiner glühender Bereich nicht abgekühlt wird.

Nun kann man mit dem Härtevorgang beginnen. Wird der Meißel aus dem glühenden Zustand im Wasserbad abgeschreckt, erhält man eine sehr hohe Härte, aber eine geringe Zähigkeit (man spricht von glashart), bei Schlagbeanspruchung bricht er daher leicht. Aus diesem Grund werden schlagbeanspruchte Werkzeuge üblicherweise nochmals gering erwärmt (angelassen). Dadurch wird bei ausreichender Härte die Zähigkeit verbessert. Für das Abschrecken wird ein Kübel mit kaltem Wasser in der Nähe der Esse bereitgestellt. Nun wird der Meißel im geschmiedeten Bereich auf Rotglut erwärmt und so weit in das kalte Wasser eingetaucht, dass noch ein kleiner Bereich glühend erhalten bleibt. Durch Schwenkbewegungen mit dem Werkstück wird die Wärmeabfuhr verbessert. Wenn der vordere Teil vollständig abgekühlt ist (nach einigen Sekunden), wird der Meißel aus
dem Wasser genommen. Mit einer Feile oder einer Drahtbürste wird anhaftender Zunder
entfernt. So kann man beobachten, wie vom nicht abgekühlten Bereich die Restwärme in
Richtung Spitze wandert. Bei richtiger Handhabung ist eine Blauverfärbung zu erkennen, die langsam in Richtung der Schneide des Meißels fortschreitet. Sobald sich auch die Schneide blau verfärbt, wird der Meißel vollständig abgeschreckt.

Schmieden: Anlassen mit Restwärme

Diese Methode nennt man Anlassen mit Restwärme. Man kann ebenso zuerst vollständig abschreckenund dann nochmals auf Anlasstemperatur erwärmen. Dazu eignet sich eine Gasflamme gut. Den Erfolg des Härte- und Anlassvorganges kann man mit einer feinen Feile überprüfen. Ist die Härte ausreichend, kann mit der Feile kein Span abgenommen werden, die Feile rutscht über das Werkstück. Härten und Anlassen erfordern einige Übung.
Da das Verfahren keinen großen Zeitaufwand erfordert, empfiehlt es sich, mehrere Versuche mit verschiedenen Parametern durchzuführen. Vor allem das Anlassen mit der Restwärme funktioniert nicht immer, da bei zu geringer Restwärme die Schneide nicht mehr ausreichend erwärmt wird (die Schneide wird nicht mehr blau).

Schmieden: Abtrennen von der Stange und schleifen

Die Schneide ist in der gewünschten Farbe (blau) – aus dem Stocker-Werkbuch: Einfach Schmieden von Karl Gissing.

Nach Fertigstellung des Härte- und Anlassvorganges wird der geschmiedete Bereich fein ausgeschliffen, sodass keine Hammerschläge mehr sichtbar sind. Dann wird der Meißel mit der geforderten Länge von der Stange abgetrennt und alle Kanten und Grate werden entfernt. Zum Schluss wird die Schneide geschliffen, wobei darauf zu achten ist, dass keine Überhitzung der Schneide auftritt, da sonst die Härte verloren geht. Um Korrosion zu vermeiden, kann der Meißel bis auf den Schneidenbereich lackiert werden.

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Stocker Werkbuch: Einfach Schmieden von Karl Gissing

Schmieden, das war einmal? Weit gefehlt, zum einen wird Schmieden nach wie vor an Fachschulen für Maschinenbau unterrichtet, wie es auch der Autor viele Jahre getan hat. Zum anderen entdecken immer mehr Menschen die traditionsreiche Handwerkskunst als erfüllendes Hobby.
Diesen legt Karl Gissing mit dem Buch „Einfach schmieden“ einen verständlichen Leitfaden vor, mit dem man rasch zum Hobby-Schmied wird und verschiedene Zier- und Gebrauchsgegenstände in der Werkstatt daheim anfertigt. Im Vordergrund steht dabei das Werkstück und Gissing erklärt, ganz Lehrer, den Weg vom einfachen Objekt zu immer anspruchsvolleren selbstgeschmiedeten Gegenständen. Fotos zu den einzelnen Arbeitsschritten stellen sicher, dass das Beschriebene auch wirklich in die Tat umgesetzt werden kann.
Neben vielen Anleitungen zu Schmiedearbeiten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade widmet sich das Buch auch dem Grundlagenwissen: Verschiedene Schmiedetechniken werden erklärt, Werkstoffauswahl und Wärmebehandlung beschrieben. Darüber hinaus werden die benötigten Werkzeuge und Gerätschaften vorgestellt.

 

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