Heu – vom Grundfutter bis zum Kochen

Heutrocknung

Seit dem Beginn der Haustierhaltung wurde Heu als Winterfutter erzeugt (aus DAS GROSSE BUCH VOM HEU; Leopold Stocker Verlag)

Wiesen, Weiden und Rasen sind von Gräsern geprägte Lebensräume, die zumeist erst vom Menschen geschaffen worden sind und der menschlichen Pflege bedürfen. Je nach Wiesentyp entwickelt sich ein unterschiedlicher Aufwuchs, dementsprechend ändert sich auch die Zusammensetzung des Heus. In der Flora Mitteleuropas können mehr als 1.000 Pflanzenarten in Wiesen vorkommen. Für die Ausprägung der Wiesen ist neben den allgemeinen ökologischen Bedingungen wie Klima, Exposition, Bodentyp, Wasserverfügbarkeit vor allem die Bewirtschaftungsweise von Bedeutung.

Grasflächen

Als Rasen bezeichnet man niedrig gewachsene oder häufig genutzte Grasflächen. Fettwiesen sind regelmäßig gedüngte ein- bis mehrmals im Jahr gemähte Wiesen. Magerwiesen sind ungedüngt und werden meist nur 1–2 Mal gemäht. Seltener gemähte Bereiche am Rand von Gebüschen oder Wäldern bilden so genannte Saumgesellschaften aus. Fettwiesen sind ertragreicher, aber artenärmer als Magerwiesen. Trockenwiesen findet man auf flachgründigen, durchlässigen Böden in sonnigen Lagen in niederschlagsarmen Gebieten. Sie trocknen immer wieder stark aus. Nasswiesen kommen auf andauernd nassen oder wechselnassen Standorten vor.

Pflanzenvielfalt

In Bezug auf steigende Wasserverfügbarkeit spricht man von trocken, frisch, feucht und nass, wobei die Wasserversorgung im Jahresverlauf variieren kann. Für praktische Zwecke teilt man die im Heu vorhandenen Pflanzen in Gräser und Grasartige, Leguminosen und Wiesenkräuter ein. Für eine optimale Nutzung soll die botanische Zusammensetzung der Wiesen ausgewogen sein. Im Futterbau sollte der Gräseranteil 50–70 % betragen und der Anteil der Kleearten und Kräuter 30–50 %. Grasreichere Flächen werden auch genutzt, wenn sie Gräser mit einem hohen Futterwert aufweisen. Gräser und grasartige Pflanzen sind sicherlich die auffälligsten Bestandteile im Man unterscheidet die Süßgräser (Gramineen, Poaceae) und Sauergräser (meistens Cyperaceae und Juncaceae).

Heu – Ernte – einst

Seit dem Übergang der Menschen von Jägern und Sammlern zu dauernden Bewohnern von Siedlungen spielt die Viehzucht eine bedeutende Rolle im Arbeitsalltag. Neben der Weidewirtschaft, wo sich die Nutztiere in einem eingezäunten Bereich das tägliche Futter weitgehend selbst zu suchen hatten, musste zumindest in der Vegetationsruhe der Natur zugefüttert werden. Heu war seit den ersten Formen der Nutztierhaltung das wichtigste Grundfutter. Bald haben die Bauern auch erkannt, dass die Qualität des Futters eine entscheidende Auswirkung auf die Qualität der Milch und damit auf den Erfolg ihrer Arbeit hat. Die Produktion von Heu hat entscheidenden Einfluss auf die Kulturlandschaft. Jedes nicht gemähte oder beweidete Grundstück wird schon nach kurzer Zeit von Gehölzen in Besitz genommen und sehr bald ganz zu Wald. Die von Wiesen geprägte Kulturlandschaft ist eine Folge der Viehwirtschaft!

Heu – Die Mahd

Heumahd

Heumahd mit dem Balkenmäher (aus DAS GROSSE BUCH VOM HEU; Leopold Stocker Verlag)

Heu schwaden

Das Schwaden erfolgte mit dem schräg gestellten Wender. (aus DAS GROSSE BUCH VOM HEU, Leopold Stocker Verlag)

Jahrhundertelang war die Sense das wichtigste Werkzeug in der Graswirtschaft. Das Sensenblatt war eines der wenigen Güter, das nicht selbst auf dem Hof erzeugt werden konnte. Sensen wurden zugekauft: Die Sensenstiele wurden wieder meist auf den Höfen von den Bauern selbst erzeugt. Vor dem Gebrauch wurde das Sensenblatt gedengelt, das heißt, seine Schneide wurde mit dem Dengelhammer auf dem Dengelstock gleichmäßig dünn ausgetrieben. Das Dengeln gehörte zur wichtigsten und zeitaufwändigsten Vorbereitung für die Heumahd. Nach dem Dengeln wurde die Sense mit dem Wetzstein händisch geschliffen. Nun war sie für den tagelangen Einsatz bei der Heuernte bereit. Eine rasiermesserscharfe Sense wurde nie in die Hände anderer gegeben. Jeder Mäher hatte „sein Zeug“ und niemand wäre auf die Idee gekommen, fremdes Mähwerkzeug auch nur für einen kurzen Augenblick zu benützen! Jeder Mäher hatte bei der Arbeit seinen Wetzstein in einem mit Wasser gefüllten Kumpf bei sich. Die Männer steckten den Kumpf an den Hosenriemen, die Frauen hängten ihn in das Schürzenband ein. Das händische Mähen erforderte auf großen Höfen jede nur mögliche Arbeitskraft. Der Arbeitstag begann im ersten Licht der Morgendämmerung, die Temperaturen waren für die anstrengende Arbeit angenehm kühl und das taunasse Gras ließ sich gut und zügig schneiden. Die Spitze einer schräg hintereinander gestaffelten Mäherkolonne führte der ranghöchste Hofbewohner, also meistens der Bauer selbst, oder sein Großknecht an. Dann folgten alle weiteren Hofbewohner nach ihrem Rang auf dem Hof gestaffelt.  Es gab kein Hudeln (schnelles, oberflächliches Arbeiten) und Überholen, es durfte aber auch kein Mäher zurückbleiben. Mit breitem Schritt und leicht nach vorne geneigt wurden schnurgerade Gassen durch das Gras gezogen. War ein Bauer in der glücklichen Lage, Zugtiere und ebene Wiesen zu besitzen, konnte er seine Flächen auch mit einem Balkenmäher mähen. Das sparte Zeit und Arbeitskräfte. Unmittelbar hinter der Mäherkolonne bzw. dem Balkenmäher folgten Frauen und Mädchen mit Gabeln und breiteten die dichten Schwaden des gemähten Grases locker und gleichmäßig über die ganze Fläche aus. Das Frühstück und die Jause wurden auf das Feld gebracht, während das Mittagessen am Hof eingenommen wurde, wenn dieser nicht zu weit entfernt lag. Ein Glockenschlag mit der Hausglocke läutete die kurze Mittagsrast ein.

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