Tiergeschichten – humorvoll erzählt

Autor: Dr. Hans Christ

 

 

Oft sind es nicht nur die Tiere, die einer einfühlsamen Behandlung bedürfen, sondern auch die Menschen benötigen die (tier-)ärztliche Zuwendung.  in seinem vierten Band mit lustigen Tiergeschichten präsentiert sich der Salzburger Tierarzt Dr. Hans Christ wieder als würdiger Nachfolger des beliebten Fernsehtierarztes Dr. James Harriot.

 

 

Leseprobe:
Von Kühen und….. Der Weg auf die Haberl-Alm führt über den Kreuzbichl, was sich im vorliegenden Fall als äußerst praktisch erwies, weil der Kreuzbichlbauer eine Besamung angemeldet hatte. Tiergeschichten von einem Tierarzt…. Zu meiner großen Überraschung wurde ich vom Kreuzbichler senior erwartet! Mit seinen nicht ganz sechzig Jahren war er für bäuerliche Begriffe noch ein verflixt junger Senior, aber da er sich im Laufe der letzten Jahre mit Haut und Haar der Politik verschrieben hatte, oblag es seither hauptsächlich dem Junior, den Betrieb zu „schupfen“. Da der jedoch mit seiner Frau und den Kindern für einige Tage nach Kroatien ans Meer gefahren war, genoss ich die Ehre, während der Besamung vom Landtagsabgeordneten persönlich den Kuhschwanz aus dem Gesicht gehalten zu bekommen. „Da schau’n S’, die Senta!“ rief er plötzlich und deutete auf eine Kuh am anderen Ende des langen Laufstalles, „des macht die seit ein paar Tagen immer beim Soach’n!“  Ich drehte den Kopf und erhaschte gerade noch einen Blick auf besagtes Rind,

das nach Zusammenfall des Harnstromes soeben den Schweif wieder herunterklappte und dabei wie wild mit den Hinterbeinen zappelte! Ameisen in der Hose kamen mangels Hose und Ameisen nicht in Frage! Fasziniert beobachtete ich, wie die Kuh noch eine geschlagene Minute die Füße kerzengerade nach vorne warf, als würde sie für einen Parademarsch proben. Schließlich beruhigte sie sich allmählich. „Seit wann hat sie solche Anwandlungen?“ fragte ich den Kreuzbichler, während ich die leere Besamungspistole aus meiner Kuh herauszog. „Woass net! Der Bua hat mir nix davon g’sagt, aber seit zwoa Tag, wo i’ in den Stall geh’, fallt’s ma auf! Sonst is’ s’ g’sund!“ „Hm! Vielleicht eine Entzündung im Uro-Genitalbereich!“ Ich unterzog die Kuh sehr zu ihrem Unwillen einer kurzen gynäkologischen Untersuchung, wurde jedoch nicht fündig, und zusätzlich einen Harnkatheter zu setzen, hielt ich bei der logischerweise leeren Blase für witzlos. „Vermutlich nur eine Reizung der Schleimhaut! Ich spritze ihr auf jeden Fall etwas dagegen!“ Normalerweise liefere ich gern solidere Diagnosen ab, aber wo nichts ist, hat selbst der Kaiser das Recht verloren!

…. und einige Kühe später:
… pflichtbewußt machte ich auf dem Weg zur Haberlalm noch am Kreuzbichlhof halt, um mich nach der strampelnden Kuh zu erkundigen. Da die Jungfamilie noch mindestens bis Sonntag in der Adria plantschte, war der Herr Landtagsabgeordnete weiterhin in Gummistiefeln statt in der Salontracht um die Wege!

„Die Senta? Die zappelt genau wie vor der Behandlung!“ Nach einiger Mühe, bei der sich die Kuh ebenso widerspenstig gebärdete wie die Opposition, hatte er das Tier ins Halsgatter gesperrt. Diesmal setzte ich einen Harnkatheder, was Senta mit einem flotten Tritt quittierte! Wenn die Blase bei Rindern nicht völlig gefüllt ist, fließt in den meisten Fällen anfangs kein Harn ab. Man darf sich dadurch jedoch nicht entmutigen lassen, sondern muss einen sachten Reiz setzen, indem man etwa den Katheter vorsichtig in der Harnröhre hin und her schiebt oder durch ihn Luft in die Blase pustet. Ich wendete beide Verfahren an. Beim Pusten erweist es sich vor allem als vorteilhaft, zuerst zu kontrollieren, ob der Harn bereits fließt, ehe man erneut ansetzt! Bei Senta tat sich längere Zeit ebensowenig, als würde ich einen Traktorreifen aufblasen, aber dann begann es langsam doch zu tröpfeln, und schließlich plätscherte ein goldgelber Strom zu Boden, worauf die Hinterbeine sofort ihren wilden Stepptanz aufzuführen begannen! Schnell hielt ich einen Urinteststreifen unter den Strahl, wurde dadurch aber auch nicht klüger. Warum die Kuh jedes Mal beim Pinkeln in eine Art Stechschritt verfiel, blieb ein völliges Rätsel! „Probieren wir’s einmal mit etwas Folium uvae ursi!“ Ich drückte dem Kreuzbichler ein Säckchen getrocknete Bärentraubblätter, ein bewährtes, billiges Mittel bei Harnwegserkrankungen von Wiederkäuern, ganz ohne Nebenwirkungen und mit dem Vorteil, dass sie es von selbst fressen, in die Hand. Der Herr Abgeordnete betrachtete es misstrauisch wie ein schlechtes Umfrageergebnis, aber bevor er Fragen stellen konnte, war ich längst dahin!…..

 

Einen Monat später: Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd…. Als mich einen Monat später der Weg noch einmal auf die Haberlalm führte – ein Kalb war in den Stacheldraht geraten und bekam jetzt an der Wunde eine ausgeprägte Entzündung –, machte ich vorher Halt am Kreuzbichlhof. Diesmal war der Bauer selbst wieder anwesend und baß erstaunt über mein Auftauchen! „Ich wollte nur nachfragen, wie es der Senta geht!“ erklärte ich. „Der Senta? Guat! Warum soll’s ihr net guat geh’n?“ „Na, weil ich sie während Ihres Urlaubs zweimal behandelt habe! Haxelt sie noch immer beim Wasserlassen?“ „Aber ja! Des tuat sie ja schon immer! Und desweg’n hab’n Sie behandelt? Davon hat mir der Vater gar nix g’sagt!“ „Aber ja! Jetzt kenn’ ich mich nicht mehr aus! Er hat mir die Kuh vorgestellt, weil sie beim Harnen dauernd so rumzappelt! Ich habe daher, obwohl ich nichts finden konnte, irgendeine schmerzhafte Reizung der Harnwege vermutet und ihr dagegen was gegeben …!“ Der Kreuzbichl junior brach in schallendes Gelächter aus: „Typisch Politiker, wenn man so einen an die praktische Arbeit laßt! Die Senta mag’s net, wann ihr die Nässe auf die Füaß spritzt, und deswegen strampelt sie! Des wird er net g’wußt hab’n, weil er ja nix mehr mit’n Stall z’tuan hat! Kummen S’, i zoag’s Ihnen!“ Er trieb die Kuh ins Fanggatter, zog einen Schlauch herbei und drehte auf. Das Geräusch konnte es nicht sein, denn Senta stand ruhig und suchte mit dem Maul enttäuscht die leere Futterrinne ab! Der Kreuzbichler hielt die Schlauchmündung jetzt so, dass ein hauchfeiner Sprühregen die Hinterbeine der Kuh benetzte. Sofort fing sie mit dem Veitstanz an! „Da seh’n S’? Genauso mag sie’s net, wann’s beim Pinkeln spritzt! Normalerweis is’ sowas den Kühen wurst, aber die Senta is eben in dera Hinsicht empfindlich! Dageg’n laßt sich wohl nix mach’n, oder?“ Ich war baff! Eine eigenwasserscheue Kuh war mir bisher noch nicht untergekommen. „Gummistiefel?“ schlug ich scherzhaft vor. Der Kreuzbichler grinste: „Ja, die vom Vatern san eh die meiste Zeit frei…!“ „Tut mir jedenfalls leid, dass ich sie umsonst behandelt habe!“ „Na, ganz umsonst wird’s wohl schon net werd’n!“ lachte der Bauer und machte die Geste des Geldzählens. „Aber da is’ der Herr Abgeordnete schuld! Nächstes Mal wähl’ i’ dafüa a and’re Partei!“ Ja, wenn er das so sah Lust auf mehr …?

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