Ziegen – welche ist die richtige für meinen Betrieb?

Ziegenhaltung heute

Ziegen – Link zum Zuchtverband (aufs Bild klicken)

Die „eierlegende Wollmilchsau“, also das rundum perfekte Nutztier, gibt es auch bei den Ziegenrassen nicht. Allerdings kann gerade durch richtige Rasseauswahl dem tierzüchterischen und wirtschaftlichen Ideal schon relativ nahegekommen werden. Mit einer Rassenziege  aus einem anerkannten Zuchtbetrieb kauft man kaum jemals die Überraschungskatze im Sack. 

Keine Mischmaschziegen

Diese zeigen oftmals eine hohe Risikoanfälligkeit für Inzuchtdepression mit allen dazugehörigen negativen Begleiterscheinungen, da für diese Tiere keine Aufzeichnungen über ihre Herkunft vorliegen. In der ziegenhalterischen Praxis wurde das dann oft so gehandhabt, dass der Gemeindebock zwar lustig buntscheckig und mit einem imposanten Hornschmuck versehen war, aber in den örtlichen Ziegenherden genetisch schon als Vater, Großvater und Urgroßvater in ein und derselben Person eifrig unterwegs war. Dass die Nachkommen in der Folge weder leistungsmässig noch gesundheitlich wirklich befriedigend sind, darf logischerweise nicht verwundern.

Einige Ziegenrassen

Österreichische Saanenziegen / Weiße Edelziegen
Weiße Deutsche Edelziege

Weiße Deutsche Edelziege (aus Ziegenhaltung heute – Stocker-Praxisbuch)

Die Schulterhöhe bei Böcken liegt bei 80–95 cm, bei Ziegen zwischen 74–85 cm. Das Gewicht der männlichen Tiere beträgt rund 75–100 kg, das der weiblichen Tiere an die 50–80 kg. In den Schweizer Originalzuchtgebieten erbrachten Saanenziegen 1994 in durchschnittlich 273 Melktagen 870 kg Milch mit 3,1 % Fett und 2,6 % Eiweiß und in Österreich in 240 Tagen 719 kg mit 3,2 % Fett und 2,92 % Eiweiß. Dies ist umso erstaunlicher, als diese beachtlichen Mengen vorwiegend bei wirtschaftseigenem Raufutter mit relativ geringen Kraftfutterzugaben erzielt wurden.

Weiße Deutsche Edelziege (WDE)

In Größe, Gewicht und Milchleistung gibt es kaum Unterschiede zur Saanenrasse. Sie ist etwas rumpfiger und kräftiger als die Saanenziege und bei ihr ist eine leicht rötlichgelbe Färbung an Hals und Rücken erlaubt. Die Böcke tragen an diesen Stellen bisweilen etwas längere Haare, was durchaus noch als rassetypisch bezeichnet werden kann.

Gemsfarbige Gebirgsziegen und verwandte Schläge
Cremefarbige Gebirgsziegen

Cremefarbige Gebirgsziegen (Stocker Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTe)

Die Widerristhöhe bei Böcken beträgt 75–80 cm und deren Gewicht liegt bei 70–100 kg. Die Geißen messen 70–80 cm und bringen an die 40–80 kg auf die Waage. An durchschnittlicher Milchleistung wurden 1994 bei den Graubündnern in 249 Melktagen 600 kg mit 3,4 % Fett und bei den Brienzern in 269 Tagen 721 kg mit annähernd gleichen Anteilen an Fett (3,5 %) und Eiweiß (2,8 %) ermolken. In Österreich werden in 240 Standardkontrolltagen laut ÖBSZ 653 kg Milch, mit 3,37 % Fett und 3,06 % Eiweiß erzielt.

Gefährdete Ziegenrassen

Tauernschecken
Tauernschecken (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Tauernschecken (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Zu den in ihrem Bestand hochgefährdeten Ziegenrassen zählt in Österreich die Tauernscheckenziege, welche im salzburgischen Gaisbachtal in Rauris in den 1960-iger-Jahren mit den letzten Exemplaren kurz vor dem Aussterben stand. Heute umfasst die eingeschworene Familie der Tauernscheckenzüchter über 210 Mitglieder mit 1.081 Herdebuchtieren. Es sind dies sehr hübsche schwarz-weißbraun gescheckte, ausnahmslos gehörnte Gebirgsziegen. Sie wurden zur Schwendung vonViehweiden überwuchernden Gehölzen, aber auch zur Milchversorgung seit jeher mit Schafen und Rindern auf die Alm getrieben. Die typische Dreifärbung hatte praktische Gründe, da die dunkle Fellzeichnung den Hirten bei Schneefall oder im Gletscherbereich verlorengegangene Tiere leichter auffinden half. Wenn sich aber im Herbst zum Abtrieb die Almmatten braunrot verfärbten, bedeutete die weiße Scheckzeichnungebenfalls eine vortreffliche Sichtbarmachung der Tiere. Dass nur ein Teil der geborenen Kitze, die nicht zu hell, aber auch nicht zu dunkel ausfallen dürfen, um anerkannt zu werden, zur weiteren Zuchtverwendung tauglich sind, muss angehenden Tauernscheckenhaltern bewusst sein.

Steirische Scheckenziege

Eine ebenfalls sehr interessante scheckige Ziegenversion ist die Steirische Scheckenziege mit derzeit 286 Exemplaren, welche erst vor rund 25 Jahren „wiederentdeckt“ und ab dann planmäßig rückgezüchtet wurde. Erst als sich einige ernsthafte Züchter und die Zuchtleitung des rasseverantwortlichen „Steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes“ dieser noch nicht ganz konsolidierten Rasse als verantwortliche Züchtervereinigung annahm, gab es sichtbare Zuchtfortschritte. Die Farbvariationen und die Abzeichen werden bei der „Steirischen Scheckenziege“ lange nicht so eingeschränkt streng bewertet wie bei den Tauernschecken. So kommen verschiedenfarbig zwei- oder dreifach gescheckte Tiere mit oder ohne weißen Bauchgurt vor. Exterieurmäßig ist hier sicherlich züchterisch noch einiges zu verbessern, aber wie man im oststeirischen Greinbach bei Hartberg als Hauptbewertungsort dieser vor allem in der Ost- und Weststeiermark gezüchteten Rasse jedes Jahr besser sieht, gibt es enorme Zuchtfortschritte um die äußere Erscheinung noch weiter zu vereinheitlichen. Als eine der wenigen hochgefährdeten Ziegenrassen in Österreich wird sie mit oder ohne Hörner gezüchtet. Wer also als Selbstversorger eine alte Ziegenrasse erhalten, aber der Hornstichgefahr aus dem Weg gehen möchte, ist mit der hornlosen Variante der „Steirerschecken“ und ihrer teils beachtlichen Milchleistung sicherlich sehr gut beraten.

Pinzgauer Ziege

Die Pinzgauer Ziege ist eine genetisch gehörnte, züchterisch wenig behandelte Gebirgsziegenrasse,  welche nicht nur äußerlich den Schweizer und deutschen Schlägen mit kastanienbrauner Grundfarbe und schwarzen Abzeichen an Kopf, Bauch, Rücken und Beinen sehr ähnelt. Es kann bei ihr ein etwas scheues und sehr temperamentvolles bis kämpferisches Wesen beobachtet werden. Pinzgauer Ziegen aus ihrer Stammheimat Salzburg werden mit einem Gesamtbestand von unter 1.000 Herdebuchtieren als „hochgefährdet“ im ÖPUL Generhaltungsprogramm angesehen und zählen neben den Tauernschecken und nun auch den „Steirerschecken“ zu den nachweislich „urösterreichischsten“ Ziegenrassen.

Wer alte, heimische Ziegenrassen sozusagen als „lebendiges Inventar“ vor wunderschönen,  mühsam wiederaufgebauten Bauernhäusern bewundern will, dem sei ein Besuch im „Österreichischen Freilichtmuseum“ in Stübing bei Graz wärmstens empfohlen.

Toggenburger Ziegen

Auch Toggenburger Ziegen werden bei uns gehalten, allerdings war einer weiteren Bestandszunahme dieser Ostschweizer Rasse deren langhaarige Behosung im Bereich der Euterregion – aus Hygienegründen beim Melkvorgang – immer etwas hinderlich. Mit schokoladebrauner Grundfarbe, weißer Stiefelung und den auffälligen hellen Streifen vom Maul bis über die Augenregion ist sie wohl eine unserer hübschesten Milchziegenrassen, sieht man von der stellenweisen Langhaarigkeit ab. In Deutschland wurde sie von der ehemaligen  „Deutsch Toggenburger“ 1935 in „Thüringer Waldziege“ umbenannt und ihr praktischerweise die Kurzhaarigkeit angezüchtet. Dass sie in der Bundesrepublik leider zu den gefährdeten Rassen zählt, hat sich diese leistungsbereite Ziege mit der manchmal etwas blechern klingenden Stimme eigentlich nicht verdient, zumal sie – ebenfalls kurzhaarig – als „British Toggenburger“ in England und Nordamerika wahre Haltertriumphe feiert. Die durchschnittliche Milchleistung in Österreich beträgt ca. 545 kg mit 3,49 % Fett und 2,94 % Eiweiß und im schweizer Herkunftsland um die 700 kg.

Burenziege
Burenziegen (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Burenziegen (Stocker-Praxisbuch ZIEGENHALTUNG HEUTE)

Die südafrikanische Burenziege aus Namibia und den östlichen Kapprovinzen ist die wichtigste Vertreterin der Fleischziegenrassen im deutschsprachigen Raum. Da ihre Milchleistung eher gering ist und meist nur zur Aufzucht der Kitze reicht, wird diese asaisonale Ziege primär zur Kitzfleischproduktion und Landschaftspflege gehalten. Es sind stämmige weiße Tiere mit rotbraunem Kopf und Blesse, Hängeohren, starkem Fundament und besonders gutem Fleischansatz an Rücken, Brust, Keulen und Schultern. Beide Geschlechter waren bislang meist gehörnt, wobei bei den Böcken die Ausformung zu mächtigen „Hornschnecken“ beachtenswert ist, was allerdings bei zu engem Kopfhautanschluss zu wunden Stellen führen kann. Die Weibchen hingegen besitzen nur relativ kurze und nicht ganz so eng am Kopf anliegende Hörner. Die Tendenz geht aber auch hier aus Sicherheitsgründen immer mehr Richtung Hornlosigkeit, welche durch die seinerzeitige, deutsche Verdrängungskreuzung mit hornlosen Milchmutterziegen in dieser Rasse durchaus angelegt erscheint und teils wieder heraus selektiert werden muss. Das typische, langgezogene „Hochfrequenzmeckern“, das oftmals einem lauten Schafblöken nahekommt, ist allerdings teilweise etwas gewöhnungsbedürftig.  Dafür sind Burenziegen von ruhigem, fast kaltblutähnlichem Wesen, was im Gegensatz zu oft ziemlich temperamentvollen Gebirgs- und Milchziegenrassen haltungstechnisch überaus angenehm sein kann. Gewicht: 65–120 kg, Widerristhöhe: 60–95 cm. Böcke dieser Rasse werden mit Milchziegenmüttern oft zu Gebrauchskreuzungen von Milchmastkitzen verwendet. Vorbedingung sind allerdings nur beste Tiere beider Ausgangsrassen unddie Konsequenz, dass die daraus resultierende Nachzucht generell der Schlachtung zugeführt wird. Das Fleischbildungsvermögen des Vaters verbindet sich dann mit der höheren Milchleistung und Großrahmigkeit der Muttertiere zu besonders frohwüchsigen, gesunden und wirtschaftlichen Schlachtkitzen.

Westafrikanische Zwergziegen

Freche und „meckerfreudige“ Westafrikanische Zwergziegen gelangten schon im 17. Jahrhundert  als lebendiger Proviant der Seefahrer zu uns nach Europa und gehören heutzutage zur Grundeinrichtung jedes Streichelzoos. Speziell bei bäuerlichen Direktvermarktungsbetrieben erfreuen sich diese lustigen, dickbäuchigen Ziegenzwerge mit einer Widerristhöhe von 40–50 cm und einem Gewicht von 20– 30 kg immer größerer Beliebtheit. Aber auch Ziegenhalter mit wenig Grund und einem steilhangigen oder pflegebedürftigen Wiesengarten vor dem Haus sowie Hochstammobstbäumen schätzen diese clownhaften kleinen Tiere mit ihrem riesengroßen Selbstbewusstsein. Der wirtschaftliche Nutzen von überzähligen, relativ fleischbetonten und wüchsigen Zwergziegenkitzen besteht in der Bereitstellung von köstlichen Osterkitzbraten für Selbstversorgerfamilien. Grundsätzlich sind reinrassige Zwergziegen immer gehörnt, aber speziell bei ihrem Einsatz im Streichelzoo oder in der tiergestützten Pädagogik sollten die Tiere schon im Kitzalter fachgerecht enthornt werden, da Kinder oftmals nicht so rasch reagieren wie Erwachsene.

ZIEGENHALTUNG HEUTE (Stocker-Praxisbuch)
Stocker Praxisbuch: ZIEGENHALTUNG HEUTE v. Gerhard Maurer

Stocker Praxisbuch: ZIEGENHALTUNG HEUTE v. Gerhard Maurer

Ziegen und ihre Produkte sind seit rund 10.000 Jahren verlässliche Begleiter der Menschheitsgeschichte und sicherer Garant gegen Hunger und Not. In armen Dritte-Weltländern sind sie auch heutzutage noch immer unverzichtbare „Volksernährer“. Die Bevölkerung der Industrieländer hingegen schätzt diese sympathischen Tiere als Erzeuger von naturgesunden, biologischen Fleisch- und Milchspezialitäten, aber auch als standortangepasste Kulturlandschaftspfleger. Rasseziegen sind in Relation zu ihrer Körpergröße und Gewicht die produktivsten und wirtschaftlichsten Milch- und Fleischtransformatoren unter den landwirtschaftlichen Haustieren. Aus diesem Grund sind sie ideale Nutztierpartner zur Bio-Selbstversorgung. Ihr springlebendiges, neugieriges Wesen und ihr selektives Fressverhalten stellt viele Ziegenhalter oft auf eine harte Wissen- und Geduldsprobe. Daher benötigt man auch viel Erfahrung aus der Praxis für eine artgerechte Ziegenhaltung und um die Tiere optimal zu füttern und vor Krankheiten zu schützen. Ob professioneller Landwirt, Hobby-Bauer oder ganz einfach nur Freund eines eher un-konventionellen Haustieres – sie alle werden mit Ziegen ihre Freude haben. Mit dem in aktualisierter Neuauflage erschienenen Ratgeber „Ziegenhaltung heute“ von Gerhard Maurer  und dessen fachkundig beschriebenen Tipps und Tricks kann freilich gar nichts mehr schiefgehen. Man wird die Klugheit der Tiere schätzen lernen, sich an ihnen und ihrer Art erfreuen und die frischen Produkte von Ziegen aus eigener Haltung genießen: die Ziegenmilch, den daraus gewonnenen Topfen und Käse, das Joghurt oder das Fleisch.

Inhalt:

  •  Abstammung und Entwicklung
  • Milch-, Fleisch-, Gebirgsziegenrassen in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit Schwerpunkt „biologische Wirtschaftsweise
  • Tipps für den Ziegenkauf
  • Fortpflanzung und Aufzucht
  • Enthornung und Kastration
  • Fell- und Klauenpflege
  • Haltungsformen im Stall und auf der Weide, Herdenschutz
  • Fütterung mit Futtermittelkunde
  • Wirtschaftlichkeitsberechnungen
  • Rund um die Milch — Zusammensetzung, richtiges Melken, Käsen
  • Ziegenprodukte: Milch, Fleisch inklusive Weiterverarbeitung und Vermarktung
  • Krankheiten  — vorbeugen, erkennen, behandeln
  • Autorenbiographie: Vom Großstädter zum biobergbäuerlichen Vollerwerbsziegenzüchter
  • Ausführliche Literatur- und Quellenhinweise

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